TOP Ö 1: Besichtigung der Kläranlage Dülmen

 

 


Das Ergebnis der in 2016/2017 erstellten Machbarkeitsstudie über die Möglichkeiten der Elimination der Mikroschadstoffe zeigt auf, das für die Kläranlage Osterwick eine weitere Reinigungsstufe sinnvoll sei, um den Zustand des Gewässers „Varlarer Mühlenbach“ zu verbessern.

 

In den vergangenen Ausschusssitzungen der Gemeinde Rosendahl wurde mehrfach die Einführung einer vierten Reinigungsstufe angesprochen.

 

Auf der Hauptkläranlage in Dülmen wurde in 2015 die 4. Reinigungsstufe mittels Aktivkohle in Betrieb genommen. Dies hat der Ver- und Entsorgungsausschuss zum Anlass genommen, die Kläranlage in Dülmen zu besichtigen und sich zu informieren.

 

Nach Anfahrt per PKW werden die Ausschussmitglieder und interessierte Ratsmitglieder um 18.00 Uhr auf dem Kläranlagengelände Dülmen von Herrn Wissing, Leiter der Kläranlage, und Herrn Lyko empfangen und in den Besprechungsraum der Kläranlage geführt.

 

Ausschussvorsitzender Schulze Baek und Bürgermeister Gottheil begrüßen die Erschienen und bedanken sich im Voraus für die Vorstellung der Kläranlage und übergeben das Wort an Herrn Wissing.

 

Herr Wissing stellt zunächst sich und seinen Aufgabenbereich vor. Die Kläranlage Dülmen wird vom Lippeverband betrieben. Herr Lyko und er selbst sind Mitarbeiter des Lippeverbandes. Dieser betreibt aktuell rd. 58 bis 60 Kläranlagen. Die Kläranlage Dülmen ist für 55.000 EW ausgebaut.

 

Auf einem Monitor zeigt Herr Wissing den Ablauf des gesamten Kläranlagenbetriebes und insbesondere die Funktion der 4. Reinigungsstufe auf. Hierbei handelt es sich um eine Aktivkohleanlage. Anhand der Bildaufzeichnung wird der Reinigungsweg vom Zulauf unter Zugabe von Pulverkohle mit Fällmittel u. Flockungsmittel, über Absetzbecken und Filtration durchgeführt, um dann als Spülwasser in den Tiberbach einzuleiten. Die Restkohle wird über die Schlammentwässerung der Schlammentsorgung zugeführt und dann zur Verbrennung gebracht.

 

Hierzu erläutert Herr Lyko, der diese Maßnahme im Bereich des Projektmanagements begleitete, dass hiernach ca. 80 % - 90 % der Spurenstoffe aus dem Abwasser entfernt werden. Die 4. Reinigungsstufe mittels Aktivkohlebehandlung sei für die Kläranlage Dülmen besonders wichtig, da das Wasser aus der Kläranlage über den Tiberbach in das Trinkwassergewinnungsgebiet der Halterner Stauseen fließt. Die Aktivkohlebehandlung sei ein gängiges Verfahren zur Elimination von Medikamentenresten, Röntgenkontrastmitteln und anderen Spurenstoffen aus dem Abwasser. Die Kosten für die Erweiterung der Kläranlage um die 4. Reinigungsstufe beliefen sich auf rd. 3,8 Mio. €, welche zu 70 % vom Land NRW finanziert und weiteren 25 % aus Mitteln der EU gefördert wurde.

 

Auf die Frage von Herrn Schulze Baek, inwieweit welche Stoffe durch die Aktivkohlebehandlung abgebaut werden, antwortete Herr Lyko, dass die Aktivkohlebehandlung nur eine Verbesserung der chemischen Qualität bewirke, nicht aber die klassischen Stoffe (z.B. Phosphor) bereinige.

 

Herr Mensing erkundigt sich danach, ob die abgebauten Stoffe messbar seien. Hierauf antwortet Herr Lyko, dass diese über die Fracht gemessen würden.

 

Ausschussmitglied Rahsing möchte wissen, ob auch Antibiotika herausgefiltert werden.

 

Fraktionsvorsitzender Mensing erkundigt sich, wie hoch der Kohleverbrauch im Jahr sei.

 

Hierzu berichtet Herr Wissing, dass ca. 70 to Kohle im Jahr verbraucht würden. Zurzeit komme die eingesetzte Kohle (Steinkohle) aus China.

 

Herr Lyko führt aus, dass Antibiotika zu 70 % ausgeschieden würden und die restlichen 30 % im Körper verblieben.

 

Die Betriebskosten (Energie) der Kläranlage Dülmen, so Herr Wissing, hätten sich durch die zusätzliche Reinigungsstufe um ca. 10 bis 20 % erhöht.

 

Herr Lyko berichtet, dass in Deutschland rd. 9.000 Kläranlagen betrieben würden, hiervon aber lediglich rd. 30 Kläranlagen mit einer 4. Reinigungsstufe ausgestattet seien. Der Lippeverband betreibe mittlerweile 3 von den rd. 60 Kläranlagen mit einer 4. Reinigungsstufe, davon eine in Bad Sassendorf mit Ozon.

 

Ausschussmitglied Herr Rahsing erkundigt sich, ob die Möglichkeit bestehe, auch Mikroplastik aus den Abwässern herauszufiltern.

 

Herr Lyko führt aus, dass es für die Herausfilterung von Mikroplastiken noch keine abgestimmte Methode gebe.

 

Herr Mensing erkundigt sich, welche Behandlung ein besseres Ergebnis erziele.

 

Hierzu antwortet Herr Lyko, dass beide Methoden gleiche Ergebnisse erzielten.

 

Herr Söller merkt an, dass mit dem Ausbau der 4. Reinigungsstufe in Rosendahl noch etwas gewartet werden solle, um noch mehr Erfahrungswerte zu erlangen. Weiterhin erkundigt er sich, ob es schon eine 5. Reinigungsstufe gebe.

 

Technisch sei dies machbar, aber noch nicht bekannt, so Herr Lyko.

 

Bürgermeister Gottheil erkundigt sich, wie viele und welche Kläranlagen außerhalb des Verbandsgebietes vom Lippeverband betreut würden.

 

Herr Wissing berichtet, dass der Lippeverband außerhalb des Verbandsgebietes nur die Kläranlage Havixbeck betreibe und den Aufwand 1 : 1 mit Havixbeck abrechne.

 

Bürgermeister Gottheil erläutert, dass derzeit eine Kosten- und Standortanalyse für die Gemeinde Rosendahl erarbeitet werde, ob zukünftig im Gemeindegebiet weiterhin zwei Kläranlagen oder nur ein Kläranlage weiter betrieben werden sollen. Anhand dieses Ergebnisses solle dann auch der Ausbau der 4. Reinigungsstufe in betriebswirtschaftlicher Hinsicht, aber auch bezüglich der Wasserqualität, betrachtet werden.

 

Hierzu bemerkt Herr Wissing, dass für den Betrieb einer 4. Reinigungsstufe im Vergleich zum bisher üblichen Betrieb einer Kläranlage auch ein Arbeitsplatz eines qualifizierten Facharbeiters für die Messtechnik vorgesehen werden müsse.

 

Bürgermeister Gottheil bedankt sich für die ausführliche Darstellung und Beantwortung der Fragen und bittet darum, den Besprechungsraum kurzzeitig für die Erörterung eines TOP in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Ausschuss nutzen zu dürfen.

 

Die Möglichkeit wird dem Ausschuss gegeben. Sodann verlassen die Herren Wissing und Lyko den Raum.

 

Nach der Beratung werden die Ausschussmitglieder und interessierten Ratsmitglieder über das Gelände der Kläranlage Dülmen geführt.